Wie kann man die Lebenserwarung schätzen?

Submitted by tsar55 on Sat, 05/04/2019 - 03:10
German
 


10.
Wie die Lebenserwartung schätzen?


10.1
Die Schätz-Tabellen der Lebenserwartung.

Wie kann die Rentenhöhe auf die Lebenserwartung abgestimmt werden?

Die Lebensversicherer beschäftigen ein kleines Heer von Mathematikern für die Wahrscheinlichkeiten. Bei Rentenbasisverkäufen erklären die Verkäufer sich am klügsten für todkrank. Die Käufer verdächtigten kerngesunde Anwärter auf mindestens 100 Jahre des zukünftigen Endalters.

Das ist ein fachlich komplexes Thema. Man hoffe nicht, dass der Notar oder das Finanzamt mit den schlauen offiziellen Alterstabellen die richtige Antwort liefern. Die offiziellen Tabellen sind die am meisten fehlerhaften: Da wurde irgendwann unter ganz anderen Rahmenbedingungen eine Festlegung kodifiziert, die zudem auch durch Politik- und Fiskal- und Lobbyinteressen mitbestimmt wurde.

Das Ergebnis der offiziellen Tabellen ist bestimmend für die steuerliche Belastung und für Kostenrechnungen (Notar und Gerichte). Hier handelt es sich ohnehin um ermessensbasierte, also letztlich "willkürliche" Beträge. Hierbei kann es durchaus vorkommen, dass Tabellenfehler zugunsten des Bürgers wirken.

Die Lösung liegt bei mitdenkender Verwertung von Tabellen, wobei diese nur als Anhaltspunkte verwendet werden.

Es ist also durchaus begründet, wieso die entsprechenden Fragen im Internet nach Tabellen oft keine Antworten finden oder oft nur Antworten, die dem Anfragenden nicht genügten, so dass er Zusatzfragen nachreichte.

10.2
Die Kombination der Gesichtspunkte für Schätzung.

Bei Rentenbasisverträgen müssen mehrere Tabellen und Gesichtspunkte gleichzeitig bedacht werden.


(1) Die Sterbewahrscheinlichkeit der verkaufenden Person.

(2) Die kombinierte Sterbewahrscheinlichkeit, soweit zwei (oder mehr) Personen bis zum Ableben des Überlebenden zu bedenken sind.

(3) Die Wahrscheinlichkeiten der zukünftigen Preis- und Zinssatz-Entwicklung. (Diesen Problemkreis kann man durch Indexklauseln etwas abfedern.)

(4) Die Umrechnungstabellen zwischen Kapitalbetrag und Rentenbetrag. (Eine einfache Finanzkalkulation. Daraus wird aber Finanz-"Mathematik", sofern die Effekte von Geldentwertung, Zinssatzänderung und Indexierung mit eingerechnet werden sollen.)

(5) Tabellen über die Abhängigkeit der Lebenserwartung vom jeweiligen Gesundheitszustand im jeweiligen Eintrittsalter.

(6) Anhaltspunkte über die Auswirkung des medizinischen Fortschrittes auf die Normalwerte.

10.3
Die Grenzen der Rechenbarkeit der Zukunft.

Unvorhergesehenes pflegt unvorhersehbar zu sein.

Die vorstehende Übersicht, obgleich wenig vielversprechend, sieht gleichwohl immer noch nach "halbwegs rational berechenbar" aus für die Rentenhöhe. Das Lebensalterproblem kann man mit Theorie verkomplizieren. Aber letztlich kommt man sich in der Verhandlung bis zur vernünftigen Sicht der Erwartungen und hiedurch zur Einigung.

Es fehlt dieser rationalen Analyse aber etwas ganz Wichtiges für die typischen Vertragslaufzeiten von 15 oder mehr Jahren: Die Berücksichtigung des Unvorhergesehenen. Das Unvorhergesehene hat es so an sich, unvorhersehbar zu sein.

Die Unberechenbarkeit von Abgabenlasten.


Man muss nicht gleich an einen Super-GAU im nächstgelegenen Kernkraftwerk denken. Es genügt die Erfindung einer 20-%-igen Vermögensabgabe des immer schlechter wirtschaftenden Staates. Das mag Eigentümer treffen oder auch Rentner oder auch auf Bewohner umlegbar sein.

Man denke an eine Energieumlage für Zwangsmodernisierung oder an eine gewaltige Kostenumlage für Straßenerweiterung.

Die Generalklauseln von notariellen Urkunden oder alternativ die bestehende oder kommende Gesetzgebung, das liefert für solche denkbaren zukünftigen Vorkommnisse nicht immer gut ausgewogene Ergebnisse für den konkreten Vertrag.

Die Unberechenbarkeit im Fall von Enteignung.


Besonders folgenreich wäre es, wenn die mit Wohnrecht verkoppelte Rentenvereinbarung ein Anwesen betrifft, das eine Weile später dringend für eine neue Straße benötigt wird und hierfür unter Wert enteignet wird. Der frühere nominale Kaufpreis wird dann gerne als Anhaltspunkt genommen. Dieser kann je nach offizieller verwendeter Tabelle viel zu niedrig ausgefallen sein, um damals Grunderwerbssteuer zu sparen. Gegen dies Risiko der Falschbewertung kann man vorbeugen. Aber das ist nicht ganz einfach.

Gesamtsicht: Die Lebenserwartung mit Bedacht ermitteln, aber auch das Unvorhersehbare im Auge behalten.

Wenn man alles gut überlegt, Fachkunde hinzuzieht und keine erheblichen Denkfehler macht, so sind alle vorstehenden Problempunkte trotz allem recht gut steuerbar. Irgendwann zeitnah ist dann eben der mutige Entschluss nötig, einen ausgehandelten Kompromiss beim Notar zu unterzeichnen.

10.4
Variationsbreite für die Lebensdauer.

Versicherungsmathematiker erfassen Fallgruppen mit abweichender Lebenserwartung durchaus. Ihre Software kann präziser abstellen auf die Rest- Lebenserwartung ab jetzt. Die Gesamtlebensdauer kann stark differieren in Abhängigkeit vom jeweiligen Gesundheitszustand. Die Differenz zwischen richtiger und falscher Tabellenauslegung kann durchaus rund 20 Jahre betragen.

Die fall-angepasste Berechnungsweise kann demnach durchaus zur Verdoppelung oder auch zu 30 Prozent mehr oder 30 Prozent weniger der Rente führen, verglichen mit dem Standardwert einer zu schematischen Tabellen-Interpretation.

Generell gilt: Die Lebensdauerdifferenz in Abhängigkeit vom sehr gesunden Lebensstil oder vom recht ungesunden Lebensstil kann durchaus mit 20 oder mehr Jahren geschätzt werden.

Alles Nähere darüber finden Sie im E-Buch "Die Geheimnisse der Hundertjährigen" erläutert:
http://uno7.org/yaa-centa-de.htm

10.5
Der historisch extremste gescheiterte Rentenbasisvertrag.

Dies ist das klassisches Beispiel für das Versagen der offiziellen Durchschnittstabellen über Ableben und Rentenhöhe als Vertragsgrundlage.

Solche Tabellen gibt es in allen entwickelten Rechtsordnungen. Notare benutzen diese Tabellen, sofern sie keine sonstigen Anhaltspunkte vorgeschlagen erhalten.

So auch vor Jahrzehnten ein Notar in...
 

iide

Submitted by Visitor (not verified) on Sat, 06/30/2018 - 03:10
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