Wieso so viele Erbschaftsstreite? Wie verhindern? Anwaltswahl?

Submitted by tsar55 on Sun, 05/05/2019 - 03:10
German
 


34.
Wieso so viele Erbschaftsstreite?


34.1
Erbstreite nehmen zu und werten verbitterter?

Der Prozentsatz der Erbschaftsstreite ist hoch, sofern ein spürbares Vermögen vorliegt. Das gilt schon ab etwa 30 000 Euro. Je nach Definition, was als "Streit" zu gelten habe, liegt die Streitquote wohl zwischen 10 und 40 Prozent derartiger "Erbschaften mit Vermögen". Diejenigen, die ihr Erbe vor dem Ableben ordnen, können sich überweigend wohl nicht vorstellen, was nach ihrem Ableben trotz aller Sorgfalt dann an Streit um Vermögen und Geld losgetreten werden wird.

Das Konzept der Patchworkfamilie kommt demographisch allmählich in die biologische Endphase. Die schon immer zu Streit tendierende Situation des Vermögens, das vom Himmel fällt, hat nun eine besonders streitlastige Zusatz-Komponente bekommen: Die Stiefkind-Problematik.

Hier einige wichtige zum Streit tendierende Konstallationen:

34.2


Pflichtteils-Vereitelung

Das ist vielleicht mengenmäßig der häufigste Konflikt. Das Errechnen des Pflichtteils ist eine relative einfache Arithmetik. Doch so einfach ist es selten.

Die Bewertung des Vermögens ist oft schwierig. Dies wird beonders spaßig, sofern der/die Verstorbene einige Vermögnswerte dem Finanzamt oder den Gläubigern nicht zeigen wolle. Nach deutschem Recht hat der Pflichtteilsberechtigte keinen guten Zugang zu verdeckten Informationen.

Immerhin hat der Pflichtteilsberechtigte sehr viel mehr Auskunftsrechte als man zunächst meinen mag. Er kann durchaus die Grundbuchakten einsehen und bei Banken und Versicherern die eventuelle Existenz von Konten erfragen.

Die Frage des ehelichen Güterstands bei verstorbenen Elternteilen ist oft klar und einfach, manchmal aber nicht. Wurde die Ehe in einem anderen Land geschlossen, so ist die Frage, welchem inländischen Güterrecht die dortige Konzeption am ehesten entspricht.

34.3


Kosten für Gericht und Rechtsanwalt

Die Pflichtteilsklage ist teuer wie jede normale Klage bei Erbsachen über hohe Vermögenswerte. Schon ab etwa 50 000 übersteigen die Kosten leicht das Potential eines normalen Einkommenbeziehers. Als Faustregel mag gelten, dass verbitterte Rechtsstreite in Erbsachen rund 20 bis möglicherweise 30 % des Erbschaftswertes "verbrennen".

Dann kann es hilfreich sein, im Rahmen des nachlassrechtlichen Verfahrens zu streiten. Denn wenn Probleme vorliegen, dann haben die oft im Testament ihne Ursache. Man kann es anfechten und kann gegen die Erteilung des Erbscheins vorgehen. Dann geht das Verfahren bis hin zum Oberlandesgericht ohne Rechtsanwalt.

Natürlich ist ein Eigenverfahren nicht jedermanns Sache. Andererseits stellt das Nachlassgericht bewusst nicht ab auf juristische Perfektion: Das Gericht hat ziemlich viel Entscheidungsraum, wirklich "Gerechtigkeit" zu ermitteln.

Sichten Sie im Fall der vorgesehenen Klage im Internet intensiv alles über "Stufenklage". Dann sind Sie besser vorbereitet im Gespräch mit dem eigenen zukünftigen Rechtsanwalt für die Erörterung der kostengünstigeste Prozessstrategie.

34.4


Die Wahl des Rechtsanwalts ist eine Kunst.

Der Anwalt sollte auf Erbsachen spezialiert sein. Das grenzt stark ein. Es muss aber nicht ein "Fachanwalt für Erbrecht" sein. Fachanwälte nehmen teil an Fortbildungen. Man kennt sich, man trifft sich. Die Zahl der Fachanwälte für Erbrecht ist selbst in Großstätten und selbst in Millionenstädten noch recht überschaubar.

Müssen Mandanten immer fürchten, dass ihre beiden Anwälte sich zu gut kennen und sich einig sind, dass tüchtig gestritten werden soll? Da es um hohe Streitwerte geht, besteht immer die Gefahr, dass...
 

iide

Submitted by Visitor (not verified) on Sat, 06/30/2018 - 03:10
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